Termunten in Kriegszeiten

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Die deutsche Stützpunktgruppe Delfzijl ist während des Zweiten Weltkriegs Teil der Festung Emden. Emden ist ein wichtiger Anfuhrhafen, unter anderem für das weit im Landesinneren gelegene Ruhrgebiet. Die Flakbatterien in der Stadt und um die Stadt herum bilden einen Schutz für den Hafen von Delfzijl, werden aber hauptsächlich zur Bekämpfung feindlicher Jäger und Bomber eingesetzt, bevor diese ihre Ladung über Emden abwerfen. Emden wird während des Krieges stark bombardiert und größtenteils zerstört, ebenso wie viele andere norddeutsche Häfen. Das konnten die Flakbatterien auf Groninger Grundgebiet nicht verhindern. In der Luft fielen jedoch viele Opfer. Die Flakbatterien sind der effektivste Weg, um Bomberformationen der Alliierten zu bekämpfen.

Batterie Termunten (Quelle T. Groenewold - Kriegsmuseum Middelstum)

Die Flakbatterie bei Termunten mit vier 12,8 cm-Kanonen gehört gemeinsam mit der Batterie in Nansum zu den schwersten Batterien auf niederländischem Grundgebiet. Anfänglich steht vor dem Deich auf der Halbinsel Punt van Reide eine einfache Stellung. Doch das ist kein günstiger Ort für den Bau von Bunkern und die Aufstellung schweren Materials. Bei Sturmfluten und Eisgang im Winter ist die Stellung unerreichbar und isoliert. 

 

1944 wird daher beschlossen, die Batterie an den Deich bei der winzigen Ortschaft Fiemel zu verlegen. Hier entstehen vier Plattformen (Ringstände) für die schwere Flakartillerie. Dabei handelt es sich um Geschützstellungen aus Beton auf einer hohen Grundkonstruktion, drei im Deich und eine dahinter. Außerdem werden Betonbettungen für leichteres 10,5 cm-Geschütz angelegt. Eine besondere Ergänzung ist das Munitionslager für die schwere Batterie des Typs Fl 317 (Munitionsauffüllraum für 12,8 cm-Flakbatterie), die einzige, die in den Niederlanden je gebaut wurde.

Militairen op de dijk bij Fiemel, Batterie Termunten (bron T. Groenewold - Oorlogsmuseum Middelstum)

Aufmarsch des kanadischen Heeres

Am 28. März 1945 beginnt der Aufmarsch des 2. Kanadischen Armeekorps Richtung Norden, um die dort liegenden Provinzen zu befreien. Anfang April erreicht das Korps die Grenzen von Friesland und Groningen,  am 15. April kommen die ersten kanadischen Einheiten in Leeuwarden an. Die Stadt Groningen wird zu diesem Zeitpunkt noch heftig umkämpft. Am 18. April wird auch diese Stadt befreit.  Anschließend rücken die Kanadier in Richtung Delfzijl vor. Der dortige Hafen ist wichtig für die Anfuhr von Waren aus Übersee sowie für den Angriff auf Emden. Unterdessen überflutet die deutsche Besatzung ein großes Gebiet rund um Delfzijl. Ein Angriff auf die Stadt ist nur über einen schmalen Streifen entlang der Ems von Süden her möglich. Dort trifft die kanadische Armee erst auf die Batterie bei Fiemel.

Die Schlacht um Delfzijl

Das Geschütz in den Flakbatterien kann auch sehr gut als Flachfeuergeschütz eingesetzt werden. In der Luft hat dieses Geschütz eine Reichweite von fast fünfzehn Kilometern, doch bei der Nutzung als Flachfeuergeschütz können mehr als zwanzig Kilometer erreicht werden. Die Schlacht um Delfzijl dauert vom 23. April bis zum 2. Mai. Der letzte Teil der besetzten Niederlande wird von deutschen Soldaten mit aller Kraft verteidigt. Es werden heftige Kämpfe um die Stadt und die Verteidigungslinien ausgefochten. Bei diesen Kämpfen verlieren 88 Bürger, 102 Kanadier und 185 deutsche Soldaten ihr Leben. Die umliegenden Dörfer werden schwer beschädigt und die Bevölkerung sieht sich zur Flucht gezwungen. Hunderte von Menschen versuchen, sich in Richtung des bereits befreiten Finsterwolde und nach Winschoten in Sicherheit zu bringen. In der Nacht vom 1. auf den 2. Mai geben die Deutschen den Widerstand schließlich auf. Sie verschwinden lautlos auf die andere Seite der Ems, um den Kampf dort fortzusetzen. 

In einem 8.000 Hektar großen Naturschutzgebiet befinden sich die Überreste der Flakbatterie Termunten, die die Deutschen zur Luftverteidigung von Emden nutzten. Die Naturschutzorganisation Groninger Landschap erzählt die Geschichte von Natur, Landschaft und Militärerbe.

 

Das Besucherzentrum der Naturschutzorganisation ist Ausgangspunkt für eine Reihe von Routen entlang sichtbarer und weniger sichtbarer Überreste des Altantikwalls. Besucher können diese Erinnerungen an den Krieg auf verschiedene Art und Weise erleben. Von einem Aussichtspunkt im Besucherzentrum kann die gesamte Stellung überblickt werden.

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