Verbotene Liebe

Mit Ausnahme einiger weniger Vorfälle geschah auf den Inseln wenig, das sich auf die Feindseligkeiten einer Kriegssituation bezog. Tatsächlich entwickelten sich vereinzelt herzliche und manchmal leidenschaftliche Beziehungen zwischen Besatzer und Inselbevölkerung. An verschiedenen Orten gingen deutsche Soldaten und niederländische Frauen eine Beziehung miteinander ein. Das geschah zwar auch an anderen Orten in den Niederlanden, aber auf den Watteninseln - wo sich alle so gut kannten - spielte sich das in dem kleinen Gemeinschaftstheater ab, in dem jeder, pro- oder antideutsch, in der ersten Reihe saß.

Nicht nur die Insulaner, auch die deutschen Soldaten wurden durch den Umgang mit dem anderen Geschlecht vor ein Dilemma gestellt. Schließlich hatte die Wehrmacht für den Umgang mit Frauen in besetzten Gebieten Richtlinien aufgestellt: Der deutsche Soldat und die Frau aus fremden Volkstum.Richthefte des Oberkommandos der Wehrmacht, Heft 1, 1943. Darin wird deutlich angegeben, dass Kontakte mit Frauen in den besetzten Gebieten am besten vermieden werden können. Denn das würde nur von den eigentlichen, militärischen Aufgaben ablenken. Aber dem deutschen Soldaten ist nichts Menschliches fremd. Aus diesem Grund sind Kontakte mit Frauen aus Brüdervölkern, wie Dänemark, Norwegen und den Niederlanden bis zu einem gewissen Maße erlaubt.

 

In Ausnahmefällen ist selbst eine Ehe zwischen einem deutschen Soldaten und einer Frau aus den besetzten Gebieten zulässig, wenn „neben ihrer arischen auch ihre germanische Herkunft festgestellt wird“. Das sind jedoch Ausnahmen. Wollte ein deutscher Soldat heiraten, hatte er eigentlich nur eine Wahl: ein Mädchen deutscher Herkunft. In der Broschüre wird auch vielfältig vor Frauen gewarnt, die für den Feind arbeiten und die Soldaten über allerlei strategische Angelegenheit aushorchen. Aber noch eindringlicher sind die Warnungen vor den katastrophalen Folgen von Mischehen, von denen sich der ausländische Partner und die Kinder schließlich gegen Deutschland wenden.

Dass sich nicht alle deutschen Soldaten in der Fremde an die Regeln der Wehrmacht hielten, war klar. An vielen Orten entwickelten sich kürzere oder längere Beziehungen mit niederländischen Frauen. Auf militärischer Ebene passierte in den Niederlanden nicht so viel. Es blieb genügend Zeit für Entspannung, vor allem auf den Inseln. Kurt Schröder, der von 1941 bis 1944 Inselkommandant von Ameland war, pflegte eine Liebesbeziehung zu einer Einwohnerin. Und er war nicht der Einzige. Manchmal gingen aus diesen Beziehungen auch Kinder hervor, die nach dem Krieg dann ohne ihren Vater leben mussten. Doch diese Kinder wurden auf den Inseln ohne große Schwierigkeiten akzeptiert.

Natürlich gab es auch Menschen, die sich über die Ankunft der Wehrmacht freuten. NSB-Mitglieder und Gleichgesinnte hatten es jetzt viel leichter. In diesen Reihen gab es auch Frauen, die Beziehungen mit deutschen Soldaten eingingen.

Und schon bald war der Deutsche ein vertrauter Anblick in den Straßen Den Helders. Schon bald tranken einige Mädchen der Stadt Brüderschaft mit den blonden Jungen, von denen sie annahmen, dass sie ganz friedlich gesinnt waren. Und schließlich waren es gut gekleidete Soldaten, viel besser jedenfalls als die Soldaten der niederländischen Armee mit ihrem bäuerlichen, plumpen Äußeren. Und die deutschen Soldaten konnten schöne Geschichten erzählen von den vielen Ländern, die sie bereits gesehen hatten und den unzähligen, die sie noch erobern würden. Manch ein deutscher Soldat entzündete ein romantisches Feuer im Herzen der Tochter eines Helderschen Bürgers und sie begriff nicht einmal, dass sie damit den ersten Verrat beging (...).

(Anthony van Kampen in: De burgers van Den Helder, 1946)

Übrigens hatte die Marinestadt Den Helder vor dem Krieg eine Vielzahl Prostituierter, die mit dem Weggang der niederländischen Matrosen nach neuen Kunden suchten. Deutsche Soldaten waren natürlich willkommen, doch einige reisten ihren alten Kunden auch hinterher. Nach den ersten schweren Bombardierungen waren diese in die umliegenden Dörfer geflohen. Der Bürgermeister von Anna Paulowna beschwert sich darüber bei seinem Kollegen in Den Helder.

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